„Frauenhäuser – unverzichtbarer Schutz bei Gewalt“
Ein kleiner Aufschrei geht durch’s Land angesichts eines recht unsäglichen Artikels von Gerhard Amendt in der WELT-Online, einer Variante der Springer Presse.
Seit Jahren bezieht Amendt sich in seinen Veröffentlichungen gerne auf einen Feminismus, in dem er die Verdammnis der Männer durch die Frauen sieht. Er kokettiert mit einem vermeintlichen Querdenken, indem er sich über politische Korrektness erhebt und zum Beispiel einen "normativen Imperativ" von der Gesellschaft verlangt, der "homosexuelle Fortpflanzung aus Interesse am Wohl der Kinder und der Kultur" ablehnen soll.
Nun hat er sich im beginnenden Kampf um die Finanzierung häuslicher Gewalt wieder einmal eine Position zu eigen gemacht, die unter dem Titel "HORT DES MÄNNERHASSES“ die Abschaffung der Frauenhäuser proklamiert.
Claire Horst, AVIVA, Onlinemagazin für Frauen, Berlin: „Anlass für den erneuten Ausfall gegen feministische Arbeit ist das Vorhaben des Familienausschusses im Bundestag, eine eventuelle Finanzierungsgarantie des Bundes für Frauenhäuser prüfen zu lassen.“
Nun denn. Obwohl in dem Artikel sehr deutlich wird, dass Amendt von Feministischen Diskursen der letzten 20 Jahre nichts mitzubekommen haben scheint, gibt es einen Offenen Brief von Frauenhauskoordinierung e.V. an Prof. Amendt, den wir hier gerne dokumentieren.
Übrigens:
Welt-online benutzt auch in diesem Artikel wieder ihr beliebtes Umfragekästchen.
Dort wird schon mal bedeutungsschwanger erfragt „Welches ist Ihr Lieblingslied von Michael Jackson?“ „Haben es Beamte in Deutschland zu gut?“ oder „War der Rausschmiss von Dietmar Beiersdorfer als HSV-Manager die richtige Entscheidung?“ In dem Amendt Artikel wird nun gefragt „Gehören Frauenhäuser abgeschafft?“.
Wir sollten dieser „Umfrage“ nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Mal davon abgesehen, dass der Deutsche Presserat schon zwei Abmahnungen gegenüber "Welt" wegen Verstöße gegen publizistische Grundsätze (Schleichwerbung) ausgesprochen hat, können wir uns fragen, ob diese „Umfragen“ nicht eher zu mehr Spam in unser mailpost führt. Für seriöse, kluge und damit differenzierte Meinungsbildung ist dieser online-coup nicht geeignet.
Susanne Krumpholz, freie Journalistin in Berlin schreibt:
„Bei einer seriösen Abstimmung im Internet müssten alle Personen, die abstimmen möchten, einmalig einen Link per email zur Stimmabgabe erhalten.
Das vorliegende leicht manipulierbare Abstimmungsverfahren ist absolut unseriös und die Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses muss zur Wahrung der Objektivität und korrekten Darstellung sofort gestoppt werden.“
Dem Brief der Frauenhauskoordinierung und der Forderung von Frau Krumpholz kann sich die TuBF vorbehaltslos anschließen.
Marita Blauth, TuBF, Juli 2009